Telefon: 06221-54193 -87 / -84

Ausstellung: Aquarelle von John Hans Less, Holocaust-Flüchtling in Shanghai

 

Termin:  Sonntag, 03.09.2017
Uhrzeit: 11.30 Uhr
Ort: Jüdische Kultusgemeinde HD, Häusserstraße 10-12, 69115 Heidelberg
Eintritt: frei

John Hans Less, der 1923 in Berlin geboren wurde, verließ mit seinen Eltern und seiner Schwester im letztmöglichen Moment Deutschland. Indem er Erlebnisse im Alter zwischen 16 und 23 Jahren aufzeichnete, reflektieren Less‘ Illustrationen in lebendiger Weise die Entwurzelung aus einer Kultur, in der er und seine Verwandten sich einst zuhause und sicher geglaubt hatten.

Während des Nationalsozialismus wurden in Shanghai etwa 20.000 jüdische Flüchtlinge aufgenommen und fanden so Rettung vor dem sicheren Tod. Die chinesische Metropole war der einzige noch offene Fluchtpunkt, der für deutsche Juden ohne Einreisevisum erreichbar war. Doch hier erwartete die darauf unvorbereiteten Flüchtlinge eine völlig andere Lebenswirklichkeit: Bedrückende Lebensumstände, Mittellosigkeit, eine fremde, so ganz anders geartete Welt, geprägt von interkulturellen Unterschieden und mit ungewisser Lebensperspektive.

Die jüdische Kultusgemeinde Heidelberg zeigt seine Aquarelle, die eindrucksvoll das Leben in der fremden Kultur darstellen. Sein Sohn Dr. Steven Less eröffnet die Ausstellung am 3. September. Die Besuchszeiten sind wie folgt: So., 3.9. (11:30-13:00 & 20:00-21:30; Do., 7.9. (19:30-21:00); So., 10.9. (17:00-18:30); Do., 14.9. (19:30- 21:00); So., 17.9. (17:00-18:30). Ab dem 7.9. nur nach Vereinbarung mit dem Sekretariat unter 06221-905240 bzw. sekretariat@jkg-heidelberg.org.

Mehr zum gesamthistorischen Kontext und zur Kunst von John Hans Less bietet die Ausstellung „Fluchtpunkt Shanghai“ im Konfuzius-Institut Heidelberg, die im Rahmen des Tags der Offenen Tür am 17. September eröffnet wird.

 


Less und seine Familie kamen mit den von Deutschland für „Auswanderer“ erlaubten 10 RM pro Kopf in Shanghai an und waren so unmittelbar mit den Herausforderungen des täglichen Überlebens konfrontiert.

Mit ca. 20.000 anderen staatenlosen jüdischen Flüchtlingen von den Japanern in das Hongkew Ghetto gezwungen, einem abgesperrten und durch Krieg schwer zerstörten und schon von hunderttausend verarmten Chinesen bewohnten Teil der Stadt, versuchten Less und seine Familie die nächsten sieben Jahre zu überleben und die Hoffnung zu bewahren.

Die Aquarelle in dieser Ausstellung waren als Illustrationen für einen autobiografischen Text von John Hans Less geplant, der von Beruf Werbegrafiker war. Auf der Basis von Skizzen, die er während seines Aufenthalts in Shanghai zwischen 1940 und 1947 angefertigt hatte, vermitteln diese nachträglich gemalten Aquarelle reiche Eindrücke seiner Fluchterfahrungen.

Die Ausstellung zeigt einen ungewöhnlichen und einzigartigen historischen Bericht, indem sie die visuelle Perspektive eines jungen, sich entwickelnden Künstlers zeigt, der aus Nazi-Deutschland vor dem Holocaust flieht und die langjährige Erfahrung einer erfolgreichen Karriere als Grafiker in den USA integriert.