Vortragsreihe: Sinology goes public
Unter dem Motto "Sinology goes public" gibt das Konfuzius-Institut Heidelberg Ihnen die Möglichkeit Absolventen der Heidelberger Sinologie und Ihre unterschiedlichen Forschungsthemen kennen zu lernen. Alle aktuellen Vorträge 2012 der Reihe finden Sie hier. Wir freuen uns auf Vorschläge für weitere Themen und Zuschriften von Absolventen mit Angabe des Titels der Abschlussarbeit und einem Terminwunsch unter: s.schneider@konfuzius-institut-heidelberg.de.
Vergange Vorträge der Reihe:
Matthias Liehr M.A.: Chinas grüne Blätter: Umweltaktivismus und Literatur in China
- Termin: Donnerstag, 19. April
- Uhrzeit: 19.00 - 20.00 Uhr
- Ort: Konfuzius-Institut Heidelberg
Speyerer Straße 6, Heidelberg - Eintritt: frei
Literatur hat in China eine lange Tradition den Mächtigen einen Spiegel vorzuhalten, gesellschaftliche Verhältnisse zu kritisieren,und neue Ideen zu artikulieren. In diesem Vortrag betrachtet Matthias Liehr einen literarischen Trend, der in China seit circa zwanzig Jahren Gestalt angenommen hat, im Westen aber noch relativ unbekannt ist: chinesische Umweltliteratur. Durch seinen kometenhaften wirtschaftlichen Aufstieg wird China von vielen als kommende Supermacht neben den USA betrachtet. Chinas ökonomischer Erfolg ist jedoch erkauft mit einem hohen ökologischen Preis und Berichte über die zum Teil katastrophale Lage erreichen uns fast täglich: Sei es die Bedrohung Pekings durch die immer näher rückende Wüste, die gravierende Verschmutzung chinesischer Flüsse und Seen oder Chinas Treibhausgasemissionen. Es wird immer deutlicher, dass Chinas ökologische Krise nicht nur eine ernst zunehmende Bedrohung für die Zukunft seiner eigenen Bevölkerung darstellt, sondern von globaler Bedeutung ist. Die chinesische Zentralregierung hat das Problem erkannt und versucht auf vielfache Weise gegenzusteuern. Dabei zählt sie auch auf die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Kräfte. Und so bieten "grüne" Themen chinesischen Journalisten, Aktivisten, Poeten, Intellektuellen und Schriftstellern eines der weniger zensierten Felder literarischer Betätigung in der Volksrepublik China. In ihren Werken prangern sie umweltpolitische Missstände an, entwerfen Visionen für eine neue "grüne" chinesische Gesellschaft oder versuchen die chinesische Bevölkerung - für die Umweltschutz in weiten Teilen noch ein Fremdwort ist - für ökologische Ideen zu sensibilisieren.
Zum Referenten:
Matthias Liehr studierte Sinologie und Politikwissenschaft in Heidelberg, Taipei und Shanghai. Gegenwärtig ist er Doktorand am Institut für Sinologie Heidelberg und Stipendiat des Exzellenzcluster "Asien und Europa im globalen Kontext" der Universität Heidelberg. Seine Dissertation beschäftigt sich mit der Rolle von Literatur in Chinas grüner Zivilgesellschaft in einem transkulturellen Kontext.
Johannes LeJeune M.A.: China und der Schutz geistigen Eigentums: Regieren in einem fragmentierten autoritären Staat
- Termin: Donnerstag, 15. März
- Uhrzeit: 19.00 - 20.00 Uhr
- Ort: Konfuzius-Institut Heidelberg
Speyerer Straße 6, Heidelberg - Eintritt: frei
Eine die Demokratieforschung lange Zeit dominierende Annahme lautete, dass soziale und wirtschaftliche Modernisierung über kurz oder lang zur Demokratie führen müsste – autoritäre Staaten wie die VR China mit ihrer Machtkonzentration an der Spitze des politischen Systems seien hingegen mit der Steuerung eines entwickelten Landes überfordert. Heute hat man jedoch gelegentlich den Eindruck als würden die westlichen Demokratien geradezu neidisch auf die Effizienz schauen mit der in China politische Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden. Es herrscht das Bild eines straff durchorganisierten Staates vor, der seine Ziele ohne Rücksichtnahme auf die komplizierten Prozesse einer Demokratie verfolgen kann. Dass beide Bilder – das der ineffizienten Gewaltherrschaft als auch das der effizienten Modernisierungsdiktatur – an der Realität vorbeigehen, zeigt Johannes Lejeune in seinem Vortrag am Beispiel des Schutzes geistigen Eigentums in China. Wie in vielen anderen Politikfeldern herrscht auch hier ein bemerkenswerter Widerspruch zwischen den Zielen der politischen Führung und der tatsächlichen Umsetzung ihrer Politik vor, der auch nicht einfach mit dem Hinweis auf fehlenden politischen Willen abgetan werden kann. Vielmehr ist es ein typisches Beispiel dafür, mit welchen anhaltenden Problemen sich ein autoritärer Staat bei der Regierung einer ausdifferenzierten Gesellschaft und Wirtschaft konfrontiert sieht – und spricht damit gleichzeitig die Frage an, ob sozio-ökonomische Modernität auch ohne Demokratie zu haben ist.
Zum Referenten:
Johannes Lejeune studierte Sinologie, Politikwissenschaft und Öffentliches Recht in Heidelberg und Peking. Seit Frühjahr 2011 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft der Goethe-Universität in Frankfurt am Main tätig, wo er zur Funktion von Ideologie in Chinas internationalen Beziehungen promoviert. Weitere Forschungsschwerpunkte sind Demokratisierungsprozesse in Ost- und Südostasien sowie die Politikfeldanalyse in China.
Cora Jungbluth M.A.: Wunsch und Wirklichkeit chinesischer Investitionen in Deutschland
- Termin: Freitag 11. November
- Uhrzeit: 19.00 - 20.00 Uhr
- Ort: Konfuzius-Institut Heidelberg
Speyerer Straße 6, Heidelberg - Eintritt: frei
„Die Chinesen kommen … nach Deutschland!“ Diese und ähnliche Schlagzeilen begleiten die Expansion chinesischer Firmen in westliche Industrieländer wie Deutschland. Seit Verkündung der zouchuqu Strategie „走出去“战略 (zouchuquzhanlüe; wörtlich: Strategie des Hinausgehens) im Jahr 2000 fördert die chinesische Regierung ausländische Direktinvestitionen (ADI) einheimischer Unternehmen. Im Fokus sollen dabei die entwickelten Länder in Nordamerika und Europa stehen, die Zugang zu aktuellen Hochtechnologien, kaufkräftigen markenbewussten Konsumenten und gut ausgebildeten Spezialisten versprechen. Deutschland als eine der führenden Industrienationen gehört mittlerweile zu den wichtigsten chinesischen Investitionszielen in Europa und wurde von einem chinesischen Wirtschaftsmagazin bereits zum „fruchtbaren Boden 新沃土 (xinwotu)“ der zouchuqu Strategie erklärt. Angesichts dieser Entwicklungen scheint sich in Deutschland allerdings die Angst vor der sprichwörtlichen „gelben Gefahr“ wieder auszubreiten. Glaubt man manchen Presseberichten, so bauen chinesische Firmen komplette Fabriken und Produktionsanlagen in Deutschland ab und verschiffen diese nach China. Der Verlust von Arbeitsplätzen droht. Doch wie weit decken sich diese und andere Vorurteile, die durch Medien verbreitet werden, mit der realen Situation chinesischer Investoren vor Ort? Welche Hoffnungen verbinden diese mit ihrem Engagement in Deutschland und auf welche Herausforderungen treffen sie? In ihrem Vortrag geht Cora Jungbluth diesen Fragen nach und beleuchtet „Wunsch und Wirklichkeit“ chinesischer Investitionsprojekte in Deutschland sowohl aus chinesischer als auch aus deutscher Perspektive.
Zur Referentin:
Cora Jungbluth studierte Sinologie und Volkswirtschaftslehre in Heidelberg, Shanghai und Beijing. In der anschließenden Promotion, die sie im Sommer 2011 abgeschlossen hat, beschäftigte sie sich mit dem Internationalisierungsprozess chinesischer Unternehmen. Seit März dieses Jahres ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sinologie der Universität Freiburg. In den vergangenen Jahren war Cora Jungbluth zudem für verschiedene Unternehmensberatungen in chinabezogenen Projekten tätig. Ihr gegenwärtiger Arbeits- und Forschungsschwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Umwelttechnologien und erneuerbaren Energien in China.
Dr. Lena Henningsen: Harry Potter und die chinesischen Piraten - Was der chinesische Buchmarkt uns über (globale) Phänomene der Kreativität lehren kann
- Termin: Mittwoch 14. September 2011
- Uhrzeit: 19.00 - 20.00 Uhr
- Ort: Konfuzius-Institut Heidelberg
Speyerer Straße 6, Heidelberg - Eintritt: frei
Harry Potter auf einem chinesischen Internat? Oder als Mitglied einer chinesischen Zauberertruppe unterwegs im Reich der Mitte? J.K. Rowling wäre wohl kaum auf die Idee gekommen, ihren Romanhelden in eine so knifflige Lage zu bringen – sehr wohl aber Autoren sogenannter Harry-Potter-Fakes. Diese Autoren schrieben ihre ganz eigenen Fortsetzungsromane, die auf dem chinesischen Schwarzmarkt vertrieben wurden. Sind diese Texte „nur“ eine dreiste Verletzung des Urheberrechts der britischen Autorin – oder bergen sie nicht vielleicht doch kreatives Potential, das verdient ernstgenommen zu werden? Ausgehend von der wachsenden Bedeutung von geistigen Eigentumsrechten im allgemeinen sowie von Urheberrechten im besonderen im gegenwärtigen China werden die chinesischen Harry Potter Bücher näher beleuchtet, sowie den Mechanismus, wie aus Imitation Kreativität erwachsen kann. Neben Beobachtungen der chinesischen Literaturszene, werden auch parallele Entwicklungen im sogenannten „Westen“ aufgezeigt. Das Beispiel des globalen Phänomens von Fan-Fiction mit seinen neuen Formen der Kreativität und der Legalisierung von „Werken der Imitation“ kann dabei als Modell für geistige Eigentumsrechte in einem künftigen China dienen.
Zur Referentin:
Lena Henningsen ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sinologie der Universität Heidelberg und beschäftigt sich in ihrer Forschung seit mehreren Jahren mit Fragen der Bestsellerliteratur und der Konsumkultur in China. Ihre Dissertation “Copyright Matters – Imitation, Creativity und Authenticity in Contemporary Chinese Literature” (Berliner Wissenschafts-Verlag, 2010) behandelt Fragen der Urheberrechtsproblematik in der gegenwärtigen chinesischen Literatur. Im Anschluss an den Vortrag besteht Gelegenheit, Fragen an die Referentin zu stellen und es bleibt Zeit zur Diskussion. Eine Rezension der Süddeutschen Zeitung zu "Copyright Matters" finden Sie hier.
Benjamin Kemmler M.A.: Die Krise als Chance: Chinas Reaktion auf die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise
- Termin: Donnerstag 13. Oktober
- Uhrzeit: 19.00 - 20.00 Uhr
- Ort: Konfuzius-Institut Heidelberg
Die schlimmste Krise, die die Welt seit den dreißiger Jahren gesehen hat“ – sogar von den Vereinten Nationen wurde diese Sichtweise auf die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 und 2009 in einer Resolution festgeschrieben. Und insbesondere, weil gerade schon die nächste wirtschaftliche Krise um die Ecke schaut: die Entwicklungen insbesondere der Jahre 2008 und 2009 haben erhebliche Auswirkungen gehabt, die in ihrer Tiefe bis heute sicherlich noch nicht ganz erfasst sind. Eine solche Krise stellt unweigerlich Staaten und deren Politiker vor eine Belastungsprobe. Speziell für die chinesische Politik hat eine Wirtschaftskrise besondere Relevanz, da ein nicht zu unterschätzender Teil der Herrschaftslegitimität der jeweiligen chinesischen Führung durch die Bereitstellung von Wohlstand und wirtschaftlicher Entfaltungsmöglichkeiten für die Bevölkerung generiert wird. Mit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise, und wie chinesische Politiker auf diese Belastung reagiert haben, beschäftigt sich Benjamin Kemmler in seinem Vortrag. Dabei soll auch beleuchtet werden, wie effektiv der Politikapparat Chinas reagiert hat und durch welche Strategien er dazu in der Lage war. Und welche Indizien es dafür gibt, dass die Führung um den Generalsekretär der kommunistischen Partei und den Ministerpräsidenten Chinas es ganz nebenbei vermochte, unter dem Deckmantel des größten Konjunkturpaktes der Welt ihre eigenen innenpolitischen Ziele ein Stück weit umzusetzen.
ZuM Referenten:
Benjamin Kemmler hat Sinologie, Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaften in Heidelberg und Taipeh studiert sowie in Shanghai gearbeitet. Dabei hat er sich insbesondere mit wirtschaftlichen und politischen Fragestellungen in Bezug auf China beschäftigt. Die Magisterarbeit mit dem Titel „Die Finanzkrise in China – Die Reaktion der chinesischen Führung und das Konjunkturpaket im November 2008“ wird gerade für die Publikation vorbereitet. Derzeit arbeitet Benjamin Kemmler bei der Deutschen Bank in der Betreuung von mittelständischen und internationalen Firmenkunden.
