Vortragsreihe: Sinology goes public
Unter dem Motto "Sinology goes public" gibt das Konfuzius-Institut Heidelberg Ihnen die Möglichkeit Absolventen der Heidelberger Sinologie und Ihre unterschiedlichen Forschungsthemen kennen zu lernen. Zu den Themen der kommenden Vorträge zählen unter anderem Schutz des geistigen Eigentums, Umweltpolitik und Kinderliteratur. Alle kommenden Vorträge und einen Überblick über vergangene Themen finden Sie hier. Wir freuen uns auf Vorschläge für weitere Themen und Zuschriften von Absolventen mit Angabe des Titels der Abschlussarbeit und einem Terminwunsch unter: s.schneider@konfuzius-institut-heidelberg.de.
Vorträge im Jahr 2012:
Johannes LeJeune M.A.: China und der Schutz geistigen Eigentums: Regieren in einem fragmentierten autoritären Staat
- Termin: Donnerstag, 15. März
- Uhrzeit: 19.00 - 20.00 Uhr
- Ort: Konfuzius-Institut Heidelberg
Speyerer Straße 6, Heidelberg - Eintritt: frei
Eine die Demokratieforschung lange Zeit dominierende Annahme lautete, dass soziale und wirtschaftliche Modernisierung über kurz oder lang zur Demokratie führen müsste – autoritäre Staaten wie die VR China mit ihrer Machtkonzentration an der Spitze des politischen Systems seien hingegen mit der Steuerung eines entwickelten Landes überfordert. Heute hat man jedoch gelegentlich den Eindruck als würden die westlichen Demokratien geradezu neidisch auf die Effizienz schauen mit der in China politische Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden. Es herrscht das Bild eines straff durchorganisierten Staates vor, der seine Ziele ohne Rücksichtnahme auf die komplizierten Prozesse einer Demokratie verfolgen kann. Dass beide Bilder – das der ineffizienten Gewaltherrschaft als auch das der effizienten Modernisierungsdiktatur – an der Realität vorbeigehen, zeigt Johannes Lejeune in seinem Vortrag am Beispiel des Schutzes geistigen Eigentums in China. Wie in vielen anderen Politikfeldern herrscht auch hier ein bemerkenswerter Widerspruch zwischen den Zielen der politischen Führung und der tatsächlichen Umsetzung ihrer Politik vor, der auch nicht einfach mit dem Hinweis auf fehlenden politischen Willen abgetan werden kann. Vielmehr ist es ein typisches Beispiel dafür, mit welchen anhaltenden Problemen sich ein autoritärer Staat bei der Regierung einer ausdifferenzierten Gesellschaft und Wirtschaft konfrontiert sieht – und spricht damit gleichzeitig die Frage an, ob sozio-ökonomische Modernität auch ohne Demokratie zu haben ist.
Zum Referenten:
Johannes Lejeune studierte Sinologie, Politikwissenschaft und Öffentliches Recht in Heidelberg und Peking. Seit Frühjahr 2011 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft der Goethe-Universität in Frankfurt am Main tätig, wo er zur Funktion von Ideologie in Chinas internationalen Beziehungen promoviert. Weitere Forschungsschwerpunkte sind Demokratisierungsprozesse in Ost- und Südostasien sowie die Politikfeldanalyse in China.
Matthias Liehr M.A.: Chinas grüne Blätter
- Termin: Donnerstag, 19. April
- Uhrzeit: 19.00 - 20.00 Uhr
- Ort: Konfuzius-Institut Heidelberg
Speyerer Straße 6, Heidelberg - Eintritt: frei
Literatur hat in China eine lange Tradition den Mächtigen einen Spiegel vorzuhalten, gesellschaftliche Verhältnisse zu kritisieren,und neue Ideen zu artikulieren. In diesem Vortrag betrachtet Matthias Liehr einen literarischen Trend, der in China seit circa zwanzig Jahren Gestalt angenommen hat, im Westen aber noch relativ unbekannt ist: chinesische Umweltliteratur. Durch seinen kometenhaften wirtschaftlichen Aufstieg wird China von vielen als kommende Supermacht neben den USA betrachtet. Chinas ökonomischer Erfolg ist jedoch erkauft mit einem hohen ökologischen Preis und Berichte über die zum Teil katastrophale Lage erreichen uns fast täglich: Sei es die Bedrohung Pekings durch die immer näher rückende Wüste, die gravierende Verschmutzung chinesischer Flüsse und Seen oder Chinas Treibhausgasemissionen. Es wird immer deutlicher, dass Chinas ökologische Krise nicht nur eine ernst zunehmende Bedrohung für die Zukunft seiner eigenen Bevölkerung darstellt, sondern von globaler Bedeutung ist. Die chinesische Zentralregierung hat das Problem erkannt und versucht auf vielfache Weise gegenzusteuern. Dabei zählt sie auch auf die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Kräfte. Und so bieten "grüne" Themen chinesischen Journalisten, Aktivisten, Poeten, Intellektuellen und Schriftstellern eines der weniger zensierten Felder literarischer Betätigung in der Volksrepublik China. In ihren Werken prangern sie umweltpolitische Missstände an, entwerfen Visionen für eine neue "grüne" chinesische Gesellschaft oder versuchen die chinesische Bevölkerung - für die Umweltschutz in weiten Teilen noch ein Fremdwort ist - für ökologische Ideen zu sensibilisieren.
Zum Referenten:
Matthias Liehr studierte Sinologie und Politikwissenschaft in Heidelberg, Taipei und Shanghai. Gegenwärtig ist er Doktorand am Institut für Sinologie in Heidelberg und Stipendiat des Exzellenzcluster "Asien und Europa im globalen Kontext" der Universität Heidelberg. Seine Dissertation beschäftigt sich mit der Rolle von Literatur in Chinas grüner Zivilgesellschaft in einem transkulturellen Kontext.
Petra Thiel M.A.: Einblicke in die chinesische Kinderliteratur: Geschichte(n) und Bilder
- Termin: Dienstag,15. Mai 2012
- Uhrzeit: 19.00 - 20.00 Uhr
- Ort: Konfuzius-Institut Heidelberg
Speyerer Straße 6, Heidelberg - Eintritt: frei
Kinderliteratur wird in der westlichen als auch in der asiatischen Literaturkritik häufig (noch) als minderwertig, unvollkommen oder gar unwichtig angesehen. Tatsächlich sind Kinder- und Jugendbücher wichtige Sprach- und Kulturvermittler: sie beschreiben bekannte und fremde Welten, reflektieren gesellschaftliche Phänomene, informieren über historische Ereignisse, präsentieren unterschiedliche Rollenvorbilder, sie bieten Hilfestellung bei Problemen, sie erklären die Welt, wie sie ist (oder wie sie sein könnte), sie dienen der Unterhaltung und sind ein unbezahlbarer Schatz an Worten, Ideen, Erfindungsreichtum und Phantasie. Waren die ersten Kinderbücher noch Lehrbücher, die hauptsächlich der Wortschatzerweiterung, der Aufarbeitung von Grammatikregeln und dem Transfer von Allgemeinwissen dienten, so erweiterte sich das Leseangebot, das sich an ein junges Publikum richtete, im Verlauf der Zeit immer vielfältiger. Ein wichtiges Kriterium für diese Entwicklung war die Entdeckung der Kindheit als eigenständige Entwicklungsphase, der ein neues Verständnis für Kinder und deren Lebenswelten folgte. Entsprechend dieser Erkenntnis gestaltete sich auch die Literatur für Kinder neu. Wie abwechslungsreich, spannend, lehrreich und bunt chinesische Kinder- und Jugendliteratur der Vergangenheit und Gegenwart ist, soll in diesem Vortrag anhand zahlreicher Beispiele gezeigt werden.
Zur Referentin:
Petra Thiel studierte Sinologie, vergleichende Religionswissenschaften und Romanistik in Heidelberg, Shanghai und Peking und ist derzeit Doktorandin und Assistentin am Institut für Sinologie in Heidelberg. Zu ihren Forschungsinteressen zählen neben dem Thema ihrer Dissertation, Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland und China, Erziehung, Populärkultur sowie Literatur und Kultur im modernen China. Seit 2008 ist Petra Thiel Wissenschaftliche Assistentin und Koordinatorin der Research Area B „Public Spheres“ am Heidelberger Exzellenzcluster „Asia and Europe in a Global Context“. Weitere Informationen zur Referentin finden Sie auf der Website des Instituts für Sinologie und in diesem Interview des Alumni-Vereins der Heidelberger Sinologie SHAN.
Jianfeng Chen Dipl.-VW.: An active life in a passive house
- Warum ist ein chinesischer Quadratmeter nicht gleich einem deutschen Quadratmeter?
- Termin: Donnerstag, 14. Juni
- Uhrzeit: 19.00 - 20.00 Uhr
- Ort: Konfuzius-Institut Heidelberg
Speyerer Straße 6, Heidelberg - Eintritt: frei
An active life in a passive house - Warum ein chinesischer Quadratmeter nicht gleich einem deutschen Quadratmeter ist? Kaum ein anderes Thema hat derzeit höhere Konjunktur, als die Bedrohung unserer Lebensgrundlagen durch die Folgen des Klimawandels, die auf Nutzung der Energierohstoffe zurückzuführen sind. Weltweit ist der Gebäudesektor für bis zu 40% des gesamten Energieverbrauchs verantwortlich, und somit neben Verkehr und Industrie ein wichtiger Handlungsbereich zur Reduktion des CO2-Austoßes. So erstaunlich die Tatsache ist, dass in China jährlich Gebäude mit einer Gesamtgeschossfläche von zwei Milliarden Quadratmetern gebaut werden. So schwerwiegend sind die Folgen wie Umweltprobleme und Ressourcenknappheit. Aufgrund des unablässigen Baubooms wächst der Energiebedarf rasant. Vor diesem Hintergrund rückt das Thema Energieeffizienz-Steigerung in der chinesischen Immobilienbranche immer weiter in den Mittelpunkt. Deutsche Erfahrungen und Technologien von Niedrigenergiehäusern, beispielsweise das Passivhaus-Konzept, gelten als attraktive Zukunftskonzepte für die chinesische Immobilienbranche. Allerdings ist eine flächendeckende Umsetzung bisher noch nicht gelungen. Was sind mögliche Gründe für diese Probleme? Liegt eine besondere Art von Marktversagen vor? Der Vortrag von Jianfeng Chen bewegt sich bewusst an einer Schnittstelle zwischen Wissenschaft und betriebswirtschaftlicher Praxis. Ausgehend von einer Analyse des Status quo, stellt er auf Grundlage seiner Ergebnisse aus Marktbeobachtung und Feldforschung einen Vergleich zwischen Deutschland und China an.
Vergangene Vorträge der Reihe
